TENZIN´S GESCHICHTE

Bei meinem letzten Besuch in Nepal vor zwei Jahren, war ich Gast in Tenzings Haus. Dort verweilten, nebst den zwei Kindern von Phunjo auch ein kleines Mädchen, Tenzin.

Zu dem Zeitpunkt war Tenzin gerade einmal sechs Jahre alt. Klein, zierlich und mit einem hübschen Gesicht, das die tibetische Herkunft erahnen ließ. Ihre Kleider waren verdreckt und der Zustand des Mädchens könnte man schon fast als verwahrlost beschreiben.

Tenzin war sehr scheu, getraute sich kaum zu reden und versteckte sich sofort hinter Phunjo, wenn ich den Raum betrat.

Tenzin kommt von einer bitterarmen Bauersfamilie von der Region Lower Tsum, das ist nordwestlich von Kathmandu, eine etwa sieben Tage dauernden Fußmarsch bis zur Hauptstadt Kathmandu.

Ihre Eltern mit zig Kindern gesegnet, waren nach langen Gesprächen bereit, Tenzin zu erlauben, in Kathmandu eine Schule zu besuchen.

Zu der Zeit war eine Internatsschule außerhalb von Kathmandu im Gespräch, welche Kinder mit tibetischem Hintergrund aufnahm. Ein Platz war reserviert, die Finanzierung gesichert und eigentlich konnte nichts mehr schiefgehen… Phunjo nahm Tenzin zu sich nach Hause mit und war zum selben Zeitpunkt wie ich in Kathmandu angekommen. Alles schien in bester Ordnung.

Ein Anruf, noch am selben Tag von Tenzin`s Mutter…. wohlgemerkt, um einen Anruf per Handy zu tätigen musste Tenzin`s Mutter ins Nachbardorf marschieren, wo ein Verwandter ein solches besaß.

Sie teilte uns mit, dass Tenzin jetzt doch nicht in die Schule dürfe, sie würde sie für die Arbeit auf dem Feld brauchen. Sie würde sich zu Fuß auf dem Weg machen, um Tenzin wieder abzuholen. Als wir mit Tenzin darüber sprachen, war die Enttäuschung groß und die Tränen liefen nur noch über ihr kleines Gesicht.

Eine Lösung musste her und zwar schnell. Waren wir nicht verpflichtet, dem Mädchen zu helfen? Wir hatten die schriftliche Erlaubnis der Eltern für den Schulbesuch, also war Eile geboten Tenzin aus der „Gefahrenzone“ heraus zu bringen. Die Unterschrift erfolgte übrigens per Fingerabdruck, da beide Eltern des Schreibens nicht mächtig waren. Der Analphabetismus in Nepal ist nach wie vor groß, die Schulpflicht nach wie vor nicht verpflichtend.

Eine tibetische Schule ca. 30 km außerhalb Kathmandus war sofort bereit, Zetin in das dortige Internat aufzunehmen.

Es blieben noch sechs Tage, um Zetin in die neue Schule zu bringen, bevor die Mutter vermutlich in Kathmandu auftauchte. Eile war geboten und Zetin war mit Eifer und strahlenden Augen dabei, als wir ihr erklärten, was nun geschehen würde.

Fast schon im Laufschritt eilten wir durch das Buddha Einkaufszentrum Nähe Phunjos Wohnung, eine lange Liste war abzuarbeiten.

Zetin durfte alles selber auswählen und ich muss heute noch schmunzeln, das sowohl Schulpack, wie auch Schuhe, Bekleidung und alle sonstigen geforderten Sachen in rosa, pink und Prinzessinnen Stil war. Ihre Augen strahlten in Konkurrenz mit der Sonne und sie fragte immer wieder, ob das wirklich alles für sie sei?

Das nachfolgende Bad mit gründlicher Körperreinigung fand sie zwar nicht so prickelnd, ließ es aber ohne Murren über sich ergehen.

Tag drei bis zur vermutlichen Ankunft Tenzin`s Mutter, war alles bereit, gepackt und wir brachten Tenzin mit einer Cousine von Phunjo zum Busbahnhof, wo Tenzin mit ihr in einer Tagestour zur neuen Schule reiste.

Nun sind inzwischen zwei Jahre vergangen, Tenzin ist ein großes Stück gewachsen und ich durfte sie vor zwei Wochen wiedersehen, anlässlich ihres diesjährigen Besuches bei Phunjo.

Es ist kaum zu beschreiben, wie glücklich ich war, als ich dieses dazumal so verschüchtertes Mädchen in die Arme schließen durfte.

Tenzin sprüht nur noch so vor Lebensfreude, geht ungemein gerne in die Schule und ihre Zensuren sind nur die besten. Sie hat mir mit großem Stolz ihre Schulhefte gezeigt, wie sie schon schreiben und lesen kann, wie sie rechnen und zeichnen kann.

Sie liebt immer noch Pink und fühlt sich als Prinzessin 🙂

Ihr Schulgeld beträgt im Jahr incl. Internat 600.—US Dollar und wir kommen natrülich für dieses auf.

Tenzin hat jetzt eine reelle Chance ihr Leben irgendwann selbstbestimmt zu führen, hat eine Chance einen Beruf zu lernen, neue Wege zu gehen, jenseits von eingerosteten Traditionen und erniedrigenden Frauenbildern.

Zetin steht für alle diese Kinder, die von uns ein beherztes und mutiges Handeln und eingreifen erfordern.

Carolin Weishaupt, März 2018

Hier noch ein aktueller Brief der Schule an uns:

Dear Caroline and Phunjo (Phunjo ist die Regionalbetreuerin vor Ort in Nepal), 

Namaste and tashi delek! How are you? This email is from srongtsen tibetan school.

Thank you so much to both of you  for sponsoring Tenzin chokyi Lama.As she is the seventh child of her family and her dad was expecting her to be a baby boy but she was born as a beautiful girl in this world.all her six sister are in village, and helping her parents in the field and doing village works but luckily phunjo decided to take tenzin chokyi to Kathmandu for a education.as dharma means not only offering the butter lamp and praying, you have to help from the inner of your heart to other beings. So, it’s a good karma for you two that you are giving her a golden opportunity to study here in Kathmandu and  beginning the second life to become a brighter future.phunjo was telling me about you and she also mention that you are coming to Nepal soon. So, please kindly visit our school.Phunjo is helping to the poor kids but behind all of this you are the main one who is helping a lot. That’s why, we really appreciate you.Thank you! 🙏🏻

Best regards, 

Srongtsen school, 

Boudha

Email von Sonam Wangmo, einer Lehrerin von Tenzin

Dieses email haben wir am 17.10.2018 erhalten.


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